Apoll

Apọll 〈m.; -s; unz.〉 = Apollo (4)

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Apọll, der; -s, -s <Pl. selten> (geh.):
2Apollo (1):
er ist nun wirklich kein A.

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Apọll,
 
Apọllon, Apọllo, griechischer Mythos: ein Gott, Sohn des Zeus und der Leto, Zwillingsbruder der Artemis. Sein Ursprung ist nicht eindeutig geklärt, wahrscheinlich stammt er aus Kleinasien. Auf orientalische Herkunft könnte sein Name deuten, in dem das babylonische Wort »abullu« (Tor) vermutet wird; Hüter der Tore war (wie auch Apoll) der babylonische Sonnengott Schamasch. Ihm waren die Löwen heilig, die auf Delos Symbol des Apoll sind. Für die babylonische Herkunft Apolls spräche auch die Verbreitung des lunisolaren (auf Mond und Sonne beruhenden) und aus Babylon stammenden Kalenders durch Delphi, den späteren Hauptkultort Apolls. Vermittelt wurde diese babylonische Gottesvorstellung wohl durch die Hethiter. Ihr »Apulunas« wurde in Steinkegeln verehrt, die vor den Toren Trojas ausgegraben wurden.
 
Dem griechischen Mythos zufolge wurde er auf der Insel Delos geboren, wo Leto Zuflucht vor der eifersüchtigen Hera gefunden hatte. Bald nach seiner Geburt besiegte er den Pythondrachen, der das Orakel in Delphi bewachte, nahm das Orakel in Besitz und richtete die Pythischen Spiele zur Erinnerung an dieses Ereignis ein.
 
Apolls Wesen ist vielschichtig und mehrdeutig. So galt er als Heil- und Sühnegott. Er wirkte als Arzt, eine Funktion, die später Asklepios (Äskulap) als sein Sohn übernahm. Seine Pfeile konnten jedoch auch Krankheit und Tod bringen; er überzog das griechische Heer vor Troja mit der Pest und lenkte den tödlichen Pfeil auf die Ferse des Achill, brachte die Söhne der Niobe um und ließ Marsyas enthäuten. Mit seinem Wesen als Heilgott verbunden waren die von ihm ausgesprochenen Weissagungen und damit die Orakelstätten. So sprach er z. B. durch die Pythia in Delphi zu den ihn verehrenden Menschen. Auch konnte er die Gabe der Weissagung verleihen (Kassandra).
 
Im Zusammenhang mit seiner Übel abwehrenden Funktion (in Gestalt eines steinernen Pfeilers an Häusern konnte er z. B. das Gebäude und dessen Bewohner schützen) steht auch seine Verehrung in der Landwirtschaft (so schützt er vor Mäusen, Heuschrecken und Wölfen). Seine Funktion als Sonnengott und Gott des Lichtes (Helios) ist seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. nachweisbar. Die Griechen verehrten in ihm den Gott, der nicht nur das religiöse Leben ordnete und die Einhaltung kultureller Gebote überwachte, sondern Recht und sittliche Ordnung allgemein und damit das rechte Maß in allen Dingen gewährleistete. Sein Beiname »Phoibos« (griechisch der »Lichte«, »Reine«), ursprünglich nur kultisch gemeint, erhielt zunehmend auch sittliche Bedeutung. Damit eng verbunden ist seine Verehrung als Gott der Wissenschaften und der Künste, v. a. der Musik, und als Führer der Musen (Apollon Musagetes).
 
Apoll war der Herr mehrerer Orakelstätten, darunter in Kleinasien Gryneia bei Myrina, Klaros bei Kolophon und Didyma bei Milet, in Griechenland Delos und besonders Delphi.
 
Von den Römern wurde Apoll schon im frühen 5. Jahrhundert übernommen. Der Kult des Apoll in Cumae war mit dem Orakel der dortigen Sibylle verbunden. Bald nach der Schlacht bei Aktium ließ Augustus ihm einen prächtigen Tempel errichten. Apoll wurde von der kaiserlichen Familie besonders verehrt.
 
Der griechische Apoll besitzt noch viele jener Wesenszüge, als deren Überwinder er dem modernen Bildungsbewusstsein erscheint. Die Verehrung als Gott des Lichtes setzte verhältnismäßig spät ein. Trotz seiner ordnungstiftenden Kraft, die ihm im Zusammenhang etwa mit dem Orakel in Delphi zugeschrieben wurde (der Besuch dieser Stätten wurde von den in Stadtstaaten zersplitterten Griechen als gemeinschaftsbildendes Moment, die Kolonisation als wesentlich von Apoll gelenkt verstanden), wird Apoll gerade durch dieses Orakel in die Nähe des Dionysos gerückt. Die Pythia, Priesterin des Apoll, sprach »mit rasendem Munde« aus einer Art Verzückung heraus. Dem Mythos zufolge überließ Apoll Delphi während der Wintermonate dem Dionysos und zog zu den Hyperboreern.
 
In der bildenden Kunst zeigen sich Fülle und Vielfalt der Apolldarstellungen auf griechischen Vasen, Reliefs (Westgiebel des Zeustempels von Olympia, um 460 v. Chr.) und Statuetten seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. Bedeutende Statuen sind u. a. die römischen Kopien »Kasseler Apoll«, wohl nach Phidias, Apoll als nackten Gott darstellend, und »Apoll vom Belvedere« (Vatikanische Sammlungen), wohl nach Leochares (spätes 4. Jahrhundert), die Apoll im Lauf den Bogen haltend und dem Pfeil nachblickend zeigt, eine von J. J. Winckelmann als Inbegriff des Apollinischen gefeierte Statue. Überaus zahlreich sind neuzeitliche Darstellungen als Plastiken (A. Sansovino, B. Thorvaldsen, A. Rodin) und auf Gemälden u. a. mit Diana (L. Cranach der Ältere), Daphne (G. B. Tiepolo), auf dem Sonnenwagen (G. B. Tiepolo, O. Redon) oder mit den Musen (N. Poussin).
 
 
H. Schrade: Götter u. Menschen Homers (1952);
 K. Kerényi: Apollon (21953);
 K. Kerényi: Apollon u. Niobe (1980);
 U. von Wilamowitz-Moellendorff: Der Glaube der Hellenen, 2 Bde. (21955, Nachdr. 1984);
 J. Wiesner: Olympos (1960);
 W. Fauth in: Der kleine Pauly, Bd. 1 (1964);
 M. P. Nilsson: Gesch. der griech. Religion, Bd. 1, in: Hb. der Altertumswiss.. .. (31967, Nachdr. 1976);
 W. F. Otto: Die Götter Griechenlands (61970);
 W. Schadewaldt: Der Gott von Delphi u. die Humanitätsidee (1975);
 W. Burkert: Griech. Religion der archaischen u. klass. Epoche (1977);
 E. Simon: Apollo in Rom, in: Jb. des Dt. Archäolog. Inst., Jg. 93 (1978);
 E. Simon: Die Götter der Griechen (41992).

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Apọll, der; -s, -s <Pl. selten> (geh.): 2Apollo (1): Er hatte eine dunkle und melodiöse Stimme, die voll ausklang, wenn er, ein bezaubernder A., auf dem Rednerpult stand (Niekisch, Leben 98).

Universal-Lexikon. 2012.

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